Die Familie Schimmelmann als Schlossherren von Ahrensburg

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Nach der Familie Rantzau war die Familie (von) Schimmelmann die zweite Adelsfamilie, die Ahrensburg prägte. Ihr gehörte das Gut mit dem Schloss Ahrensburg von 1759 bis in die 1930er Jahre. Heinrich Carl von Schimmelmann kaufte das verschuldete Gut 1759 und baute es um. Sein Vermögen stammte zu wesentlichen Teilen aus dem Kolonial- und Sklavenhandel im dänischen Herrschaftsbereich. Unter den Schimmelmanns erhielten Schloss, Kirche und der Grundriss des Ortes das Aussehen, das die Innenstadt bis heute bestimmt.

Wer war Heinrich Carl von Schimmelmann

Heinrich Carl von Schimmelmann (1724–1782) stammte aus Demmin und machte als Kaufmann Karriere. Später übernahm er hohe Ämter im dänischen Staat. Für Ahrensburg ist vor allem sein Erwerb des Gutes im Jahr 1759 von Bedeutung.

Die Herkunft des Vermögens

Schimmelmann war am europäischen Kolonialhandel beteiligt und besaß Plantagen in Dänisch-Westindien, auf denen versklavte Menschen arbeiten mussten. Auch sein Handel mit Afrika und der Karibik beruhte auf Versklavung. Diese Herkunft eines Teils des Familienvermögens gehört deshalb zur Geschichte des Gutes und Schlosses in Ahrensburg.

Der Erwerb Ahrensburgs 1759

Sein erstes großes Gut in Norddeutschland war Ahrensburg – erworben noch bevor die Kolonialgeschäfte begannen. Das Gut gehörte seit 1567 der Familie Rantzau. Nach dem Tod Detlev Rantzaus 1746 war der hoch verschuldete Besitz für die Familie nicht mehr zu halten und wurde zum Verkauf angeboten. Die Verhandlungen begannen im Januar 1759, im Mai 1759 kaufte Heinrich Carl von Schimmelmann das Gut für 180.000 Reichstaler. Damit endete nach fast zwei Jahrhunderten die Herrschaft der Rantzaus über Ahrensburg. In denselben Jahren erwarb Schimmelmann weitere Güter, darunter Schloss Lindenborg bei Aalborg (1761) und Wandsbek (1762). Zur Geschichte des Gebäudes selbst siehe Schloss Ahrensburg.

Umbau von Schloss, Ort und Kirche

Am Schloss ließ Schimmelmann ab 1759 den Hausgraben zuschütten und die roten Backsteinfassaden weiß tünchen; ab 1760 wurde das Innere im Stil des Rokoko und des frühen Klassizismus umgestaltet. Einzelheiten dazu stehen auf der Seite Schloss Ahrensburg.

1766 ließ Schimmelmann den alten Kern des Dorfes Woldenhorn abreißen und nach barockem Vorbild als „Idealstadt" neu errichten. Wer den Grundriss entworfen hat, ist nicht sicher überliefert; die Forschung vermutet dahinter den in Ludwigslust tätigen Architekten Johann Joachim Busch. Beim Wohnen galt eine klare Rangordnung: Am nächsten zur Kirche siedelten die Gutsbeamten, in der zweiten Reihe Kaufleute und Handwerker, weiter außen die Bauern. Das Straßenbild selbst prägen bis heute ein runder Platz, das „Rondeel", von dem drei baumbestandene Alleen sternförmig abgehen, sowie eine Blickachse, die vom Kirchturm zum Alten Markt führt. Dieser Grundriss bestimmt die Ahrensburger Innenstadt bis heute; mehr dazu in der Geschichte der Stadt Ahrensburg.

An der Schlosskirche Ahrensburg wurde 1778 ein Turm mit Eingangshalle an die Westwand gebaut, der den freistehenden Glockenstuhl ersetzte; Hofarchitekt war Carl Gottlob Horn. Die Glocke von 1591 blieb erhalten, ab 1804 erhielt der Turm ein Zeltdach. Nicht auf die Schimmelmanns zurück gehen die Gottesbuden – diese Sozialstiftung von 1594 stammt von Peter Rantzau (siehe Familie Rantzau).

Gutswirtschaft und Reformen

Unter Heinrich Carl von Schimmelmann entstanden auf dem Gut mehrere Betriebe: eine Kornbrennerei, eine Stärkefabrik, eine Brauerei sowie Korn- und Sägemühlen. Die verstreut liegenden Ackerstreifen wurden durch die sogenannte Verkoppelung zu größeren, zusammenhängenden Feldern zusammengelegt, und eine neue Fruchtfolge wurde eingeführt. Die Quellen nennen mehrfach „aufklärerische" Reformen und Bemühungen um bessere Lebensbedingungen der Untertanen.

Sein Sohn Friedrich Joseph von Schimmelmann war Gutsherr von 1782 bis 1803. Unter ihm wurde die Gutswirtschaft aufgelöst: Der herrschaftliche Eigenbetrieb (Meierhof) wurde niedergelegt und die Ländereien in Erbpacht ausgegeben – die Pächter durften das Land dauerhaft und vererbbar gegen einen festen Zins nutzen. Auch die Leibeigenschaft wurde aufgehoben, also die persönliche Abhängigkeit der Bauern, die ihnen bis dahin unter anderem den Wegzug verbot. Ein genaues Jahr ist nicht überliefert; es geschah zu Beginn des 19. Jahrhunderts und damit vor dem dänischen Patent von 1804. Eine Rezension der Forschungsliteratur nennt dies „eine besondere Auszeichnung unter den holsteinischen adligen Gütern".

Ernst Heinrich von Schimmelmann

Während Friedrich Joseph das Ahrensburger Gut führte, machte sein älterer Bruder Ernst Heinrich von Schimmelmann (1747–1831) in Kopenhagen politische Karriere. Er war dänischer Finanz- und später Außenminister. An der Vorbereitung des 1792 beschlossenen Verbots des dänischen Sklavenhandels war er beteiligt; zugleich bezog er weiterhin Einkünfte aus den Plantagen der Familie. Diese widersprüchliche Rolle ist für die heutige Einordnung der Familie wichtig.

Die Generationen bis zum Ende der Ära

Nach Friedrich Joseph folgten weitere Schimmelmann-Generationen auf dem Gut. Wie viele es waren, geben die Quellen unterschiedlich an – genannt werden sechs oder sieben Generationen. Graf Carl von Schimmelmann starb 1922; danach wurden aus wirtschaftlichen Gründen große Teile der Besitzungen verkauft. 1932 fasste die Familie bei drohender Zwangsversteigerung den Entschluss zum Verkauf. Die Kreissparkasse Stormarn erwarb zunächst Teile des Inventars und im April 1934 das Schlossgebäude für 60.000 Reichsmark. 1938 wurde das Schloss als Museum eröffnet und ein Schlossverein gegründet. Damit endete die Ära der Schimmelmanns in Ahrensburg. Die Entwicklung des Gebäudes danach beschreibt die Seite Schloss Ahrensburg.

Erinnerung und Aufarbeitung heute

In Ahrensburg erinnert die Schimmelmannstraße an Heinrich Carl von Schimmelmann. An ihr gibt es seit spätestens 2015 öffentliche Kritik, die 2020 zunahm; im Juli 2020 wurde ein Straßenschild rot beschmiert. Am 1. Oktober 2020 forderte der SPD-Landtagsabgeordnete Tobias von Pein ein Mahnmal für die Opfer von Sklavenhandel und Kolonialismus auf dem Schlossgelände und sprach sich für die Umbenennung der Straße aus; er begründete dies mit den Worten, es brauche „keine Ehrung, sondern Mahnung und Aufarbeitung". Ab Juli 2020 setzte sich die Grünen-Fraktion für eine Überprüfung der Straßennamen ein.

In der Folge richtete die Stadt eine Kommission ein, die Kriterien für die Überprüfung historischer Namensgeber erarbeiten sollte; die Quellen datieren dies auf 2022 beziehungsweise 2023 und nennen ein Budget von rund 60.000 Euro. Ein endgültiger Beschluss zur Umbenennung der Schimmelmannstraße ist in den verfügbaren Quellen ebenso wenig belegt wie ein eigens errichtetes Mahnmal oder eine Gedenktafel; der Stand der Debatte ist offen. Zum Vergleich: Im Hamburger Stadtteil Wandsbek wurde 2006 eine Schimmelmann-Büste aufgestellt und nach Protesten wenige Jahre später wieder entfernt. An der Schlosskirche Ahrensburg befindet sich die Grabanlage der Familie, zu der ein Obelisk gehört.

Wikipedia als Quelle

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