Wissenssysteme im Vergleich

Hinweis: Diese Inhalte wurden mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell überprüft (Transparenzhinweis gemäß Art. 50 EU AI Act).

Dieses Wiki ist heute klein – rund sechzig Artikel. Aber was, wenn ein Nachschlagewerk aus Hunderttausenden oder Millionen Artikeln bestünde? Große Organisationen wie die Wikimedia-Stiftung, Software-Firmen oder Behörden stehen vor genau dieser Frage: Wie speichert, sichert und durchsucht man so viel Wissen, ohne dass alles unübersichtlich oder langsam wird?

Diese Seite ist ein Blick nach oben – eine Landkarte, kein Ratgeber für die nächste Entscheidung dieses Projekts. Sie sortiert die verfügbaren Ansätze in vier Familien und beschreibt, wie weit jede Familie trägt.

Die genaue Bewertung einzelner Programme an den Projektzielen steht weiterhin auf den vier Schwesterseiten, die von Software für ein großes Wissensprojekt ausgehen. Die grundlegenden Konzepte zum Speichern und Suchen von Wissen erklärt Wissen speichern. Hier geht es um die Ebene darüber: die Größenordnung von einer Million Artikeln aufwärts und der Ausblick auf Systeme, die nach Bedeutung suchen statt nur nach Stichwörtern.

Fachwörter wie Open Source, Schnittstelle (API), REST, GraphQL, Datenbank, Markdown, Git, Node.js, MCP oder RAG sind in Software für ein großes Wissensprojekt in einer kurzen Liste erklärt.

Vier Familien von Wissenssystemen

Die vier Familien lösen unterschiedliche Probleme. Manche Projekte kombinieren sie sogar. Hier der Reihe nach.

1. Wiki-Engines – viele Menschen schreiben gemeinsam

Ein Wiki ist darauf ausgelegt, dass viele Menschen dieselben Seiten bearbeiten. Jede Änderung landet in einer Versionsgeschichte, man kann also jederzeit zurückspringen und sehen, wer was geändert hat. Das ist der große Unterschied zu einem Ordner voller Dateien: Das Wiki verwaltet den gemeinsamen Zugriff selbst.

MediaWiki, das Programm hinter der Wikipedia, ist der Beweis, dass diese Familie riesige Mengen verträgt. Es speichert die Inhalte in einer Datenbank (am besten unterstützt: MySQL/MariaDB) und hält den Betrieb mit mehreren Zwischenspeichern (Caches) schnell: Im Wikimedia-Betrieb beantworten die meisten Anfragen vorgelagerte Caches, sie erreichen die eigentlichen Anwendungs-Server nie. Außerdem bringt MediaWiki seit 2004 eine eingebaute Lastverteilung mit – Lese-Anfragen gehen an Kopien der Datenbank, Schreib-Anfragen an den Haupt-Server.

Die Volltextsuche großer Wikis läuft dabei nicht über die Datenbank. Dafür gibt es die Erweiterung CirrusSearch, die einen eigenen Suchdienst (Elasticsearch beziehungsweise das quelloffene OpenSearch) als getrennten Verbund von Servern anspricht. Diese Kombination wird bei der Wikimedia-Stiftung für Wikis mit vielen Millionen Seiten eingesetzt. Wer die Wiki-Seiten zusätzlich als strukturierte Daten nutzen will – mit festen Feldern und Abfragen –, greift zu Fachversionen wie Wikibase (der Software hinter Wikidata, mit verknüpften offenen Daten) oder Semantic MediaWiki; das Programm XWiki bietet noch mehr freie Gestaltung. Mehr zu den einzelnen Programmen auf der Seite Wiki-Programme im Vergleich.

2. Docs-as-Code und Static Site Generators – Texte als Dateien versioniert

„Docs as Code" heißt: Dokumentation wird mit denselben Werkzeugen und Abläufen geschrieben wie Programmcode – Klartext-Dateien (meist Markdown), Versionsverwaltung mit Git, gegenseitige Durchsicht („Reviews") und automatische Prüfungen. Aus den Dateien baut dann ein Static Site Generator eine fertige Website. Genau so entsteht auch dieses Wiki – mit dem Generator mdBook.

In dieser Familie gibt es reife Vertreter für große Bestände: MkDocs mit dem Design „Material" (die Suche läuft komplett im Browser des Lesers, breit eingesetzt), Hugo (in der Sprache Go geschrieben, das höchste Bautempo), Antora (führt Dokumentation aus mehreren getrennten Git-Lagern zusammen, Schreibweise AsciiDoc) und Backstage/TechDocs, die selbstgebaute Lösung von Spotify: Dort werden nach eigenen Angaben über 5.000 Dokumentations-Websites auf diese Weise betrieben.

Die Grenze dieser Familie ist immer dieselbe: Wenn sehr viele Menschen gleichzeitig schreiben sollen, gibt es Datei-Konflikte, die jemand von Hand auflösen muss. Und bei sehr großen Beständen dauert das Bauen der Website länger – wie lange, hängt stark vom gewählten Generator ab. Einzelheiten auf der Seite Doku-Generatoren im Vergleich.

3. Suche und semantische Systeme – nach Bedeutung suchen

Bei Millionen Artikeln reicht die reine Stichwortsuche oft nicht: Wer „Auto" eingibt, findet keine Seite, auf der nur „Kraftfahrzeug" oder „Pkw" steht. Semantische Systeme suchen deshalb nach der Bedeutung eines Textes, nicht nur nach den genauen Wörtern.

Dafür wird jeder Text in eine lange Zahlenreihe übersetzt, ein Embedding oder Vektor. Man kann sich das wie Koordinaten vorstellen: „Auto", „Kraftfahrzeug" und „Pkw" bekommen ähnliche Koordinaten und liegen nah beieinander, obwohl kein Buchstabe übereinstimmt. Die Suche liefert dann die k nächsten Nachbarn (englisch k-NN) – die inhaltlich ähnlichsten Texte. Eine Hybrid-Suche kombiniert beides: klassische Stichwörter plus Bedeutungsähnlichkeit.

Bekannte quelloffene Bausteine sind OpenSearch und Elasticsearch – Such-Verbünde, die man durch Hinzufügen weiterer Server wachsen lässt und die seit einigen Jahren auch mit Vektoren umgehen; Meilisearch – bewusst einfach einzurichten und tolerant gegenüber Tippfehlern; und pgvector – eine Erweiterung, die Vektoren in der Datenbank PostgreSQL ablegt, sodass kein zusätzliches System nötig ist. Eng verwandt ist RAG – „erst nachschlagen, dann antworten": Eine KI durchsucht echte Dokumente, bevor sie einen Text formuliert. Damit das gelingt, werden lange Dokumente vorher in handliche Teile zerlegt (Chunking). Das quelloffene RAGFlow ist darauf spezialisiert, auch schwierige Dateien wie PDFs mit Tabellen sauber in solche Häppchen zu zerlegen und daraus einen Frage-Antwort-Ablauf zu bauen. Für pgvector kursieren Angaben zum Arbeitsspeicher-Bedarf – von wenigen Gigabyte bis zu mehreren zehn Gigabyte je Million Vektoren; das sind grobe Schätzungen aus zweiter Hand und hängen stark von den Einstellungen ab.

4. Selbstgebaute Systeme aus mehreren Schichten

Sehr große Organisationen kaufen selten ein einzelnes Fertigprodukt. Sie bauen sich einen Schichten-Aufbau (englisch Stack): eine Redaktions-Schicht, in der Menschen schreiben; einen Speicher für große Dateien wie Bilder und Videos; und einen Such-Verbund für die Millionen Dokumente, dessen Daten bei Bedarf auf mehrere Server aufgeteilt werden (Sharding).

Für die Redaktions-Schicht kommen oft Headless-CMS zum Einsatz, zum Beispiel Strapi oder Directus. Headless heißt wörtlich „ohne Kopf": Das System verwaltet nur die Inhalte und liefert sie über Schnittstellen (REST, GraphQL), zeigt sie aber nicht selbst an – das Aussehen baut jede Website selbst. Mehr dazu auf der Seite CMS im Vergleich. Für die großen Dateien nutzt man einen Objektspeicher wie S3 oder das quelloffene MinIO – einen Dienst, der beliebig viele Dateien unter festen Adressen ablegt.

So ein Schichten-Aufbau ist eine Maßanfertigung: Die Bausteine sind erprobt, die Kombination baut jedes Projekt selbst. Konkrete Überlegungen, welche Programmiersprachen und Ökosysteme dafür taugen – Rust, Go, JVM, ASP.NET Core –, zeigt Ein Wissenssystem selbst bauen.

Eine mögliche Sicht: Generationen von Wissenssystemen

Man kann die vier Familien auch als zeitliche Abfolge lesen: von der Wiki-Familie über die Docs-as-Code-Familie und die Suche-Familie bis zu agentischen Systemen, in denen KI-Programme selbstständig recherchieren und schreiben.

Das ist ausdrücklich eine mögliche Einteilung, kein Fachstandard. Belegt ist vor allem die jüngste Stufe: Eine Übersichtsarbeit zu „Agentic RAG" beschreibt die Entwicklung von einfacher zu immer eigenständigerer Nachschlage-KI. Wie so eine agentische Stufe konkret aussieht, zeigt die Seite LLM Wiki.

Vier Familien auf einen Blick

FamilieBis 1 Mio.+ ArtikelBis 10 Mio.+ ArtikelVolltextsuche eingebautSemantische / RAG-SucheViele gleichzeitige AutorenQuelloffen & kostenlos
Wiki-Engines (MediaWiki u. a.)JaJa (Wikipedia, viele Mio. Seiten)Teilweise (große Wikis über Zusatz-Suchdienst)Nein (nur über Zusatz)JaJa
Docs-as-Code / SSGJaTeilweise (vom Generator abhängig)Teilweise (je nach Generator/Theme)NeinNeinJa
Suche & semantische SystemeJaJaJa (das ist ihr Zweck)JaNein (kein Schreib-System)Ja
Selbstgebaute Schichten-SystemeJaJaJa (Such-Schicht)Teilweise (je nach Aufbau)Ja (Redaktions-Schicht)Teilweise (Bausteine ja, Lizenzen unterschiedlich)

Die quelloffenen Bausteine stehen unter verschiedenen freien Lizenzen (OpenSearch und RAGFlow unter Apache 2.0, Meilisearch unter MIT, pgvector unter der PostgreSQL-Lizenz, Wikibase und Semantic MediaWiki unter der GPL), während die Headless-CMS Strapi und Directus in neueren Versionen Einschränkungen haben (siehe CMS im Vergleich).

Verbreitete Missverständnisse

Über die Grenzen dieser Systeme kursieren einige Faustregeln, die so nicht stimmen. Drei davon.

„Meilisearch funktioniert nur bis 5–10 Millionen Dokumente"

Woher diese Zahl stammt, ist unklar – belegt ist sie nicht. Die offizielle Dokumentation nennt als hartes Limit 4.294.967.296 Dokumente pro Index (das ist zwei hoch 32, also gut vier Milliarden). Der Hersteller-Blog beschreibt einen Fall, in dem ein Firmen-Team die Marke von 100 Millionen Dokumenten überschritten hatte; die Lösung war dort Sharding, also das Aufteilen des Bestands auf mehrere Server. Richtig ist also: Meilisearch ist auf einfache Einrichtung und Tippfehler-Toleranz ausgelegt, und sehr große Bestände brauchen auch hier mehrere Server – nicht aber, dass bei zehn Millionen Schluss wäre.

„Static-Site-Generatoren brechen bei über 100.000 Seiten ab"

Für einen langsamen, speicherhungrigen Generator kann das zutreffen. Als allgemeines Prinzip ist es falsch. Hugo etwa ist in der Sprache Go geschrieben und gilt als schnellster verbreiteter Generator; es gibt Berichte über Hugo-Websites mit rund einer Million Seiten. Ob ein Generator bei großen Beständen einbricht, ist also eine Frage des Werkzeugs, nicht der Familie.

„Es gibt einen bewährten Standard-Stack für große Wikis"

Den gibt es nicht. Öffentlich nachweisbaren Groß-Referenzbetrieb hat nur MediaWiki mit CirrusSearch bei der Wikimedia-Stiftung. Alle anderen Schicht-Kombinationen – Wiki plus Wissensdatenbank plus Suchverbund, oder Redaktions-CMS plus Objektspeicher plus RAG-Pipeline – sind plausibel, aber Maßanfertigungen. Ein „One size fits all" für Millionen-Wikis existiert nicht.

Was heißt das für dieses Wiki?

Dieses Wiki nutzt heute den Doku-Generator mdBook – Familie 2, Docs as Code. Das passt gut zu einem überschaubaren Bestand und zur Zusammenarbeit mit KI, weil alle Inhalte einfache Markdown-Dateien sind. Sollte das Projekt einmal auf zehntausende Artikel wachsen, käme ein echtes Wiki-System oder ein zusätzlicher Such-Verbund in Frage; welche Programme dann wie abschneiden, steht auf den vier Schwesterseiten (Wiki-Programme, CMS, Doku-Generatoren und der Übersicht Software für ein großes Wissensprojekt). Wie selbst betriebene CMS technisch mit sechs- und siebenstelligen Beständen umgehen – Partitioning, Connection-Pooler, Lese-Kopien, ausgelagerte Suche, Vorschalt-Caches –, vertieft die Seite Wie CMS mit Millionen Artikeln umgehen. Für einen selbstgebauten Stack mit eigenem Anwendungs-Server spielt zudem die Wahl der Programmiersprache und des Webframeworks eine zentrale Rolle, dargestellt auf Webframeworks im Vergleich. Der eigentliche eigene Weg dieses Projekts ist aber kein bestimmtes Programm, sondern die geregelte Zusammenarbeit von Mensch und KI – beschrieben unter Co-Wiki: Mensch & KI und LLM Wiki.

Quellen


Hinweis: Diese Inhalte wurden mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell überprüft (Transparenzhinweis gemäß Art. 50 EU AI Act).